Bei den Profis?!

Das Konzept

Jetzt im September hatte ich eine Intensivtherapie zur Arm- Hand- Rehabilitation bei der Praxis Laborn in München gebucht und dann auch umgesetzt .

Obwohl meine Defizite links schon erfreulich rückläufig sind, dachte ich, dass etwas Feintuning nicht schaden kann. Die normale ambulante Ergotherapie mit wöchentlicher Frequenz schien mir auch langsam etwas überfordert.

Das Laborner Konzept ist ebenso einfach wie stringent: Therapien, die sich als wirkungsvoll erwiesen haben, werden zu einem intensiven Programm zusammengestellt und für einen definierten Zeitraum täglich ausgeführt, immer begleitet durch einen Therapeuten. Einen Schwerpunkt bilden dabei robotergestütze Therapien, die ich ja schon aus Bad Aibling und Bad Heilbrunn kannte.

Der erste Schritt war eine ausgiebige Befundung meine Defizite, die Hr. Laborn sen. himself bei mir im Frühjahr vorgenommen hatte. Er diagnostizierte noch Mängel bzgl. Selektivität und Kraftniveau in den Fingern der linken Hand und konzipierte daraus eine passende Therapie, die dann im September auch so stattfand.

Die Therapie

Meine Therapie bestand aus 5 Bausteinen:

1.) Armfähigkeitstraining, AFT

2.) Übungen am AMADEO

3.) Übungen am Myro

4.) Passive Finger Mobilisation mit dem „Glove“

5.) Begleitende Messung der Aktivität links mit dem Yband

Die Therapien im Einzelnen:

1.) Armfähigkeitstraining nach Prof. Thomas Platz

Das Equipment für dieses Training befindet sich in diesem praktischen Köfferchen, den man vom Kurs Erfinder auch erwerben kann, versteht sich.

Dieses Training wurde für Patienten mit leichter Armlähmung entwickelt und besteht aus mehreren Übungen, die auf Zeit ausgeführt werden:

Übung 1:

Hier muß man zielgerichtet vom Kreis auf dem unteren Blatt auf die oberen Kreise tippen. Ist etwas eintönig, aber beübt gut die Schulter und Gesamtkoordination.

Übung 2: Fingertippen

Hier ist die Aufgabe, hintereinander jeweil mit Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger definiert dreimal aufzutippen. Ich musste das 17 mal hintereinander ausführen. Sieht einfach aus, ist aber irgendwann unangenehm. Ich habe das spaßeshalber meine Tochter auch mal machen lassen. Viel schneller als ich war sie auch nicht…

Übund 3: Durchstreichen

Bei nicht aufgelegter Hand müssen hier die Nullen säuberlich in der Mitte aus dem Handgelenk heraus durchgestrichen werden. 5 Reihen, dreimal. Das ging einigermaßen, mittelprächtig anspruchsvoll.

4. Übung: Scheiben umdrehen

2 Reihen mit Unterlegscheiben müssen mit links umgedreht werden. Das hat Spaß gemacht. Ist was für Hobby Handwerker.

5. Übung: Klötzchen stapeln

Natürlich darf in der Ergotherapie eine Übung mit Klötzchen nicht fehlen. Die Vorderen werden gedreht gestapelt, die Kleinen hinten einfach aufeinander gestellt. Das wäre etwas für meinen fünfjährigen Sohn..

6. Übung: Dosen stapeln

Die vorderen Dosen werden auf die Hinteren gestellt und dann wieder runter geräumt, mittlerer Spaßfaktor.

Fazit: Die Übungen waren für mein Defizit- Niveau sehr gut ausgesucht. Mit der Zeit wurde ich auch in der Ausführung auch schneller und zielgerichteter. Da die Zeit gemessen wird, ist auch ein Erfolgsparameter vorhanden, was bei vielen Therapien ja leider fehlt.

Es steht und fällt natürlich mit der therapeutischen Begleitung. Und diese war in meinem Fall super extra Klasse.:)

2.) Übungen am AMADEO

Die robotergestützen Therapien am AMADEO hatte ich ja schon in Bad Aibling und Bad Heilbrunn genossen. Mit dem wichtigen Unterschied, dass die Therapeuten bei Laborn diese Geräte auch wirklich vollständig bedienen können und für den jeweiligen Patienten auch das passende Programm heraussuchen.

Zu Beginn wurde die linke Hand bzgl. Kraftniveau und Tonus eingemessen. Erfreulich war, dass sich im Verlauf der Therapie der Tonus in den Fingern deutlich verringerte, und zwar auf “ Normalniveau“. Man spürt diese Verbesserung zwar nicht direkt, nimmt sie aber gerne zur Kenntnis. So ich auch.

Das AMADEO Programm besteht dann aus einer Vielzahl unterschiedlicher Übungen, zum Teil mit spielerischem Charakter, dich ich hier en Detail nicht wiedergeben kann. Bei mir war der Fokus auf der Ansteuerung der einzeln Finger links, damit bei mir das Geige spielen besser wird. Wenn ich denn wieder zum Üben komme;).

3.) Übungen am Myro

Der “ Myro“ ist quasi ein Riesen höhenund neigungsverstellbares Touch Tablet:

Auf dem kann man drücken, Punkte verbinden und viele andere sinnvolle Reha Sachen machen. Ich war zuerst etwas skeptisch. Es erschien mir als etwas zuviel Technik. Aber nachdem ich meine Lieblingstherapeutin vernichtend beim “ Hockey“ Spiel geschlageh hatte ( „mit links“) fand ichs gut. Es wurde dann zwar im Nachgang behauptet, man hätte mich gewinnen lassen, aber ich kenne natürlich die Wahrheit.

Aber Spaß bei Seite: Die Kombination aus Drücken mit der linken Hand oder einzelnen Fingern und den visuellen Aufgaben auf dem Bildschirm erscheint mir doch insgesamt als sehr effiziente Trainingsmethode…

4.) Übungen mit dem “ Glove“

Der “ Glove“ ist ein Therapiesystem aus Italien. Die betroffene Hand wird in einem Handschuh eingespannt und die Finger können einzeln über Drahtverbindungen aktuiert werden. Der Arm kann dabei über ein Entlastungssystem hochgehalten werden. Parallel und synchron zur aktuierten/assistierten Bewegung der Finger wird auf dem Bildschirm die ausgeführte Bewegung angezeigt.

Bei mir wurde ein passives Mobilisationsprogramm eingestellt , in dem die Finger links nach einem entsprechenden Muster durchbewegt wurden und diese Bewegung konnte man am Bildschirm synchron miterleben. Hier findet das Konzept der Spiegeltherapie Anwendung. Diese Therapieform ist auf den ersten Blick am wenigsten herausfordernd, verlangt aber, eine stabile Konzentration aufzubringen, damit die Spiegelneuronen im Gehirn auch in Schwung kommen.

Die Wirksamkeit dieser Therapieform ist für michschwer einzuschätzen. Da aber die Spiegeltherapie evidenzbasiert ist, konnte ich mich gut darauf einlassen, ohne auch radikale Wunderheilungen zu erwarten. Wahrscheinlich ist die Wirkung eher langfristig zu sehen. Das Therapiesystem mit seiner „Drahtaktuierung“ wirkt im Vergleich zu den smarten AMDEOs etwas antiquiert und weniger präzise und verlangt auch viel Einrichtungszeit vom Therapeuten, bis es gestartet werden kann.

5.) Der neuste Schrei: die Yband Therapie

Dieser Therapieansatz stammt von einer kleinen Schweizer Firma, einem ehemaligen Startup. Die Grundidee ist quasi ein „Bewegungszähler“für den betroffenen Arm, d.h. mit dem abgebildeten Armband werden Bewegungen der betroffenen Extremität erfaßt und gespeichert . Das Armband kann über Bluetooth an ein Tablet oder Smartphone angekoppelt werden, um die Messdaten auszulesen und auszuwerten. Über ein „Motivationsprogrammm“, dem „Tree if Recovery“ werden Fortschritte kenntlich gemacht. Nutzt man zusätzlich noch ein zweites Armband für die gesunde Hand, kann der begleitende Therapeut Unterschiede in der Armbenutzung erkennen und darauf eingehen.

Für mich als Elektronik affinen Patienten klang das ersteinmal interessant und ich stellte mich bereitwillig dem Experiment. Die erste Auswertung beider Armbänder zeigte dann klar, dass ich im Alltag meine rechte Hand mehr benutze als meine Linke, also keine echte Überraschung.

Kurzes Fazit zum YBand: Die Idee, die Verwendung eines betroffenen Arms zu messen , macht m. E. schon Sinn, aber der Messzeitraum muß deutlich länger sein, als es bei mir der Fall war. Eigentlich muß man zu Beginn der Reha damit starten, damit man die längerfristigen Fortschritte sichtbar macht.

Mein Fazit:

– Die Praxis Laborn war meine 4. Ergotherapie Erfahrung nach Bad Aibling, Bad Heilbrunn und dem ZAR in Pasing

– bei Eintritt in die Therapie war mein Funktionsniveau der betroffenen linken Seite schon relativ hoch ( persönlich:geschätzt 80-85% einer gesunden linken Hand)

– ja, die Laborner sind die Profis (!), wenn es um Arm- Hand- Reha geht, insbesondere Hand- Reha ist dort extrem gut aufgestellt.

– die Organisation ist effizient und professionell; die Betreuung sehr persönlich, individuell

– die Therapien sind, soweit ich das beurteilen kann, auf dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis, oder noch neuer ( YBand)

– der Fortschritt, den man dort erzielen kann, wird individuell immer unterschiedlich sein, abhängig vom Ausgangszustand . Meine linke Hand ist gefühlt durch die Therapie besser geworden , mein Fortschritt von vielleicht 85% auf 90% ist aber in der Wahrnehmung viel schwieriger, als eine Verbesserung von zum Beispiel 20% auf 80%.

– Kosten/ Nutzen? Die Laborner Therapie kostet deutlich mehr als die klassische Ergotherapie. Aber das Ergebnis ist nach meiner Einschätzung auch besser, weil die Therapie konsequent ausgelegt ist und konsequent umgesetzte wird.

– Dann kann man sich noch fragen, was eine voll funktionsfähige Hand in Euros wert ist und kommt schnell zu dem Ergebnis, dass man es in jedem Fall machen sollte, vorausgesetzt, man hat genug Cash in dem Moment, wo man die Rechnung bezahlen muß. ….Meine Krankenkasse ziert sich im Moment noch mit der Kostenerstattung, aber trotzdem bereue ich nicht einen Tag, den ich bei Laborn verbracht habe.

– Fazit Ende

Es geht weiter.

Ein Gedanke zu “Bei den Profis?!

  1. Was soll man nach so viel Lob noch schreiben? Mich freut es, dass dich unsere Therapie wieder ein Stück in die richtige Richtung geschoben hat und wir dich einen Teil des Weges begleiten durften.
    Und schön, dass ein Patient glaubt er könnte uns in Hockey besiegen! 😉
    So und jetzt arbeite fleißig an deinem Ziel wieder Geige spielen zu können. Wir drücken dir ganz fest die Daumen.

    Gefällt 1 Person

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